Warum Renaturierung? Interview

Philipp: Für welche Tiere wäre eine Renaturierung besonders wichtig?

Prof. Reichholf : Eine Renaturierung der Würm würde typischen Bachtieren zugute kommen: Biber, Wasserspitzmaus, Eisvogel, Wasseramsel, Gebirgstelze, den beiden Arten von Prachtlibellen (Blauschwarze und Gebänderte P.), Schmetterlingen wie dem Großen und dem Kleinen Schillerfalter sowie dem Kleinen Eisvogel, aber auch verschiedenen Arten von (Klein-)Fischen und vielen anderen Arten von Tieren.

Philipp: Gäbe es dann auch andere und mehr Wasserpflanzen?

Prof. Reichholf : Auch die Vielfalt der Wasser- und Uferpflanzen würde zunehmen, und zwar um das Doppelte bis Dreifache der gegenwärtigen Artenzahl.

Philipp: Würde die Renaturierung die Wasserqualität verbessern?

Prof. Reichholf : Ganz allgemein gilt: Naturnahe Fließgewässer haben, auf gleiche Belastung mit Schadstoffen bezogen, eine viel bessere Wasserqualität als begradigte. Die Renaturierung verbessert die Qualität auf jeden Fall.

Philipp: Wie groß soll ein Trittsteinbiotop mindestens sein?

Prof. Reichholf : Entlang eines Bach- oder Flusslaufes wirken „Trittsteinbiotope“ aller Größen, weil der Gewässerlauf selbst die Verbindung herstellt und aufrechterhält.

Philipp: Ich habe gehört, dass manche Anwohner keine Renaturierung wollen, weil sie Sorge haben, dass durch die größere Wasseroberfläche und das stillere Wasser mehr Mücken kommen.

Prof. Reichholf: Stechmücken entwickeln sich weit mehr in Regenwassertonnen und Gartenteichen als in „Biotopen“ entlang von Bächen und Flüssen. Das Wasser, in dem sie aufwachsen, muss wochenlang stehen, sollte Sonne bekommen (wegen der winzigen Algen, von denen sich die Mückenlarven ernähren) und sich erwärmen können. Die Biotope entlang von Flüsschen wie der Würm bleiben dafür weit überwiegend zu kühl. Erheblich unangenehmer als die gewöhnlichen Stechmücken sind ohnehin die Kriebelmücken, deren Larven im schnell fließenden Wasser begradigter Bäche und Flüsse leben. Ihre Stiche schmerzen und jucken sehr lange. Kriebelmücken kommen an der Würm im Münchner Stadtgebiet vor. Eine Renaturierung würde ihre Häufigkeit eher vermindern als vergrößern.

Philipp: Gibt es auch Nachteile bei einer Renaturierung?

Prof. Reichholf : Abgesehen, dass diese etwas kostet, sind keine Nachteile zu erwarten. Die große Renaturierung der Isar bis ins Münchner Stadtgebiet hinein hat das hinlänglich bewiesen und eindrucksvoll die Hochwasser-„Tests“ von 1999 („Pfingsthochwasser“) und 2005 (August) bestanden.

Interview 2008

Zu den Kosten: sie trugen je zur Hälfte das Wasserwirtschaftsamt und das Baureferat, Gartenbau. Diese Gelder waren gebunden: sie konnten nur für Renaturierungsprojekte für die Würm (WWA) und für den Ausbau von Grünanlagen (Gartenbau) verwendet werden. US